Wahl der Qual

In gut einem Monat ist es also soweit- Qualtag.In manchen Fällen bereitet die Qual der Wahl die Schwierigkeiten- dieses Mal ist es jedoch nicht die Fülle der geeigneten Möglichkeiten sondern eher die Absenz jeglicher “Wahl”. Uns erwartet sowieso die Qual, wählen können wir lediglich ihre  Gestalt.  Verfolgt man die Entwicklungen auch nur einigermaßen gründlich, stellt man fest, dass einerseits die grösseren Parteien in den letzten Jahren immer ähnlicher geworden sind, ja nahezu ineinander zu verschmelzen scheinen und andererseits auch keine der kleineren Parteien ein annehmbares Gesamtpaket anzubieten vermag. Nichts desto Trotz läuft der Wahlkampf auf vollen Touren. Wenn dann noch Ereignisse wie beispielsweise der just bekannt gewordene Abschied von Gorleben ihren Einfluss auf den Lauf der Dinge nehmen bleibt man mit der Frage nach den eigentlichen Inhalten schnell auf der Strecke. Hilfe verspricht das Wahlprogramm. Wäre da nicht das Problem, das längst nicht alles, was vor der Wahl geschrieben oder gesprochen steht, nach der Wahl nie existent war. Betrachtet man all diese Dinge wundert die hohe Rate der Nichtwähler oder Protestwähler selbstverständlich nicht. Die richtige Antwort ist das jedoch nicht. Was aber ist dann die richtige Antwort? Im Kampf um die Stimme preisen sich die Parteien an wie Nahrungsmittel, deren Haltbarkeitsdatum am nächsten Tag abläuft. Hat man sie, gehen sie einem zu Hause im Kühlschrank hoch. Ein ewiger Kreislauf. Die Bürger werden hin und her geschoben und man fragt sich- wird eigentlich sonst noch etwas Nennenswertes bewegt? Auch meine Worte bewegen nicht viel. Weder habe ich eine Wahlempfehlung noch eine umsetzbare Handlungsalternative. Stattdessen möchte ich die Frage lieber zurückleiten: Wie könnte man es eigentlich anstellen, dass die Bürger die Politiker lenken, so, wie es eigentlich sein sollte? Und nicht umgekehrt? Die Kraft des Konsums, der Kunde ist König. Das Problem dabei ist nur, dass uns genau diese Kraft des Konsums genommen wird. Druck durch Wahl kann nur entstehen, wo eine Wahl möglich ist. Das eigentliche Drama besteht also in der Unwahlmöglichkeit. Schärfere Parteiprofile, ganzheitliche Parteiprofile, vielleicht ein Lösungsansatz. Neue Parteien gründen, kleine Parteien fördern. Guckt man sich jedoch die kleineren Parteien an, die zur Bundestagswahl 2009 zugelassen wurden, dann fragt man sich, welche von diesen auch nur annähernd einen Druck auf die größeren Ausüben könnte. Sie kranken zumeist entweder an der Einthemenkrankheit oder an der Utopiesucht. Natürlich ist nichts falsch dran, sich einem Thema vollständig zu verschreiben. Vergleicht man jedoch mit den Volksparteien stellt man fest, dass diese ein sehr breites Themenspektrum haben. Meiner Meinung nach kann keine kleinere Partei, die sich nur an einem Thema orientiert, jemals einen höheren Stand erreichen. Das wäre auch nicht gut. Man kann  keine Partei regieren lassen, die nur ein Thema kennt.  Zur Frage der Utopie: Natürlich ist es sinnvol, sich hohe Ziele zu setzen. Tief fallen wird man schliesslich immer. Geht es jedoch darum, in der Breite der Bevölkerung Fuss zu fassen, kann Fanatismus, als solcher wirkt eine extreme Überhöhung einer Position nämlich, nur abschrecken. Wie sollen die Leute verstehen, dass beispielsweise bei der Partei “Die Frauen” nicht alle Männer vom Planeten verbannt werden sollen oder bei der Tierschutzpartei keine Gefängnisstrafe auf Fleischkonsum stehen wird? Es klingt sehr ironisch, ich glaube jedoch, dass es den Kern trifft. Die kleineren Parteien brennen und verglühen dabei an sich selbst. Was sehr schade ist. Denn es sind viele gute Ansätze vorhanden. Vielleicht könnte auch ein Zusammenschluss mehrerer kleiner Parteien sinnvoll sein.

Mein Ergebnis des heutigen Tages muss unbefriedigend bleiben. Genau genommen gibt es nicht einmal eines. Könnte ich zu einem klaren abschliessenden Ergebnis kommen, hätte ich diesen Beitrag nicht schreiben müssen.  In der Hoffnung auf weitere Erkenntnisse vor der Wahl – oder zumindest danach- verbleibe ich.

This entry was posted on Sonntag, August 30th, 2009 at 23:51 and is filed under Blog. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

2 Responses to “Wahl der Qual”

  1. . said:

    parteiprogramme sind wesentlich aussagekräftiger als wahlprogramme…u unheimlich schwer zu lesen^^

  2. Pseidon said:

    Danke noch einmal für diesen Hinweis! Ich hatte da defintiv nicht deutlich genug unterschieden. Und stimme in beiden Punkten zu. Samt den leider negativen Implikationen.

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