Wer kennt ihn nicht, den großmütterlichen Zusatz beim Geburstagsgruß: Vor allen Dingen Gesundheit!
Ja haben wir uns damals gedacht, danke, aber haben wir doch, werden wir immer haben, ist doch selbstverständlich. Bei den meisten dauert es einige Jahre bis Jahrzehnte bis die jugendliche Unsterblichkeit sich ihnen schmerzlich als Illusion enttarnt. Der Körper macht es leicht und die Seele ignoriert emsig die Hinweise älterer Menschen: “Wenn ich noch so jung wie du wäre..” oder auch “Hast du’s gut, alles noch vor dir.” Unsere Jugend scheint anderen so besonders, so kostbar, was ist sie denn für uns? In den meisten Fällen IST sie einfach. Manchmal stört sie uns, manchmal macht sie uns dumm, oftmals ist sie uns egal und in wirklich seltenen Fällen freuen wir uns über sie. Und erkennen den Reichtum den sie mit sich bringt. Vor allen Dingen…Gesundheit.
Wenn wir dann unsere Verwandten und Familienfreunde an Alterskrankheiten leiden sehen denken wir meist nur: Achja, alt. Das passiert mir ja nicht. Alles, was nicht in den nächsten 2 Jahren geschieht, ist “nie”. Genausowenig wie alt werden wir krank. Bis auf ne Erkältung oder einen gebrochenen Bein. Aber mal ganz abgesehen davon, dass den Autounfall immer die anderen haben und niemals wir mit 20 Brustkrebs bekommen- was ist eigentlich mit der Bandbreite dazwischen? Alles zwischen Erkältung und Super-GAU? Was ist mit den mittelschweren oder einfach langwierigen Krankheiten, die uns lahmlegen und uns für längere Zeit oder sogar für immer unsere Fähigkeiten einschränken? Über die machen wir uns die allerwenigsten Gedanken scheint es. Vielleicht müssen wir das auch weil diese Vorstellung unser festes Bild unserer Welt erschüttert und uns der Enttarnung der ewigen Jugend und damit verbundenen Gesundheit mit großen Schritten näher bringt. Wer möchte schon darüber nachdenken, dass er mit Mitte 20 oder 30 temporär arbeitsunfähig werden könnte, dadurch seinen Job verliert und danach keinen Fuss mehr in die Tür kriegt? Das plötzlich Partner, Familie und Freunde die eigene Miete zahlen müssen weil man länger als 6 Wochen krank war und kein Krankengeld mehr gezahlt wird?Aber die wirtschaftliche Frage ist wohl gar nicht die Wichtigste. Viel wichtiger ist, um was einen eine unerwartete Erkrankung noch bringen kann. Von sportlichen bis sozialen Einschränkungen, passieren kann alles und es gibt nichts, was nicht schon mal jemandem passiert ist. Es geht auch nicht darum, den Teufel an die Wand zu malen. Viel mehr geht es darum, anhand dieses Gedankenspiels die Prioritäten in Frage zu stellen. Wo stehen denn die Wünsche bei mir? Steht Gesundheit wirklich am Ende nach Erfolg, Partner, Freunden, Hobbies usw? Ist sie die Krone oder das Fundament?Ohne sie ist nicht alles nichts aber alles anders. Für was opfern wir sie? Jeder von uns? Eher für den Erfolg oder eher für die Partnerschaft? Für die Ideale? Für die Welt? Opfern wir sie für uns? oder für andere? Machen Opfer auch sonst schon selten bis nie Sinn- in diesem Falle sind sie am tragischsten. Und wie reflektiert wir auch sein mögen, ich glaube, dass jeder, wenn er lange und ehrlich genug darüber nachdenkt, verschiedenste Punkte entdecken wird wo die Selbstverständlichkeit der Gesundheit zu ihrer Opferung führt. Natürlich nicht laut und gewaltig sondern klein und im Stillen. Die Möglichkeiten sind zahllos und unsere Ausreden vor uns selbst ebenso. Stellt sich nun zu guter Letzt die Frage, was ich eigentlich sagen möchte. Im Grunde möchte ich nur dazu auffordern, den Blick über den inneren Tellerrand zu riskieren und die eigene Prioritätenliste zu überdenken, vielleicht so, als hätte man seine Gesundheit aufgrund von ungünstiger Prioritätennutzung für eine begrenzte mittelfristige Zeit eingebüsst. Um dann zu schauen, ob es etwas gäbe, was man in seinem Leben anders machen würde und wenn ja, was. Ohne Angst vor den eigenen Antworten und deren Konsequenzen. Und ohne Angst davor, in Zukunft auch den altersgereiften Zusatz: “Vor allen Dingen Gesundheit” aus tiefstem Herzen anzufügen.
Oktober 31st, 2009 by Pseidon |
Vergangenen Samstag fand in Berlin nach einem einwöchigen Anti-Atom-Treck die abschliessende Demonstration statt. Um die 50.000 Teilnehmer aus verschiedensten Parteien sowie Parteilose versammelten sich, um gegen die Fortsetzung der Stromgewinnung aus Atomenergie zu protestieren. Für mich war es nach mehreren Jahren die erste Demonstration. Die Eindrücke waren vielfältig. Etwa 300 zum Teil sehr originelle Trecker führten den Zug an.
Am Kreativsten und Zutreffendsten war meines Erachtens ein Anhänger, Lkw-lang, auf dem zwischen gelben Atomtonnen menschengroße Kunstschweine mit Frack und Hut stelzten und ihre parteifarbenen Fähnchen durch die Luft schwenkten. An der Seite des Anhängers stand darunter der Slogan: Der Trog ist immer der selbe, auch wenn die Schweine wechseln.
Interessant war daran, dass neben Schwarz, Gelb und Rot auch Grün als Fahnenfarbe vertreten war. Der Zug der erfolgreich die Berliner Innenstadt um die Friedrichsstraße lahmlegte schien zumindest soviel Aufmerksamkeit erregt zu haben, dass der eine oder andere Passant ein Fragezeichen im Gesicht trug- hinter dem sich hoffentlich die Frage „ Warum demonstrieren so viele gegen die Atomkraft, vielleicht haben die ja recht?“ befand. Sollte ich mit diesem Eindruck recht behalten haben, hätte sich die Demonstration gelohnt. Vielleicht hat sie sich aber auch aus anderen Gründen gelohnt. Es war eine der grössten Aktionen die seit längerem stattgefunden haben und immerhin reichte es auch für den Sprung in die Tagesschau. Hoffen kann man da sicherlich auf mehrere Millionen Zuschauer.
Und so komme ich nach vielen demonstrationslosen Jahren zu dem Ergebnis, dass es doch etwas bringen kann, klassisch auf die Straße zu gehen. Die Einstellung, dass es den Politikern sowieso herzlich egal ist, wer weswegen Schilder durchs Stadtbild trägt und man vermutlich wenn man etwas bewirken will schon zu härteren Bandagen greifen müsste, ist abgelöst von der Feststellung das Politik ein Geschäft der schönen Worte und der Darstellung ist, es also nichts schlimmeres für einen Politiker oder eine Partei gibt als eine öffentlich greifender Zweifel der zu Ansehensabfall führt. Besonders im Wahlkampf. Je größer eine Demo, desto höher die Wahrscheinlichkeit, genau dies zu erreichen. Wichtig ist dabei meines Erachtens auch, dass man konsequent ein Ziel verfolgt. An dieser Stelle möchte ich den musikalischen Auftritt der Ohrbooten kritisieren, denen dies leider nicht gelungen ist, da sie am Ende ihres Auftritts in einer Liedzeile sinngemäß sangen: Ich konsumiere gerne weiter Cannabis.
Wie soll man politisch ernstgenommen werden, wenn statt eines konkreten Themas immer gleich ein riesiger Cluster „verwandter Themen“ mit übermittelt wird? Die mit dem eigentlichen Thema oftmals nicht nur nichts zu tun haben sondern die Glaubhaftigkeit des eigentlichen Anliegens oftmals deutlich mindert. Ein Teil der erreichten Aufmerksamkeit wird dann dadurch schlicht „versaut“, weil die Leute, die aufmerksam wurden durch solche Entgleisungen schnell folgenden Eindruck gewinnen: „Aha, hab ich mir doch gedacht, dass die nur wieder ihre politische Gesamtanschauung durchdrücken wollen, das Thema diente nur als Vorreiter und brauch in der Konsequenz für sich stehend überhaupt nicht beachtet zu werden.“ Verstärkt wird dieser Effekt, wenn die zuletzt genannten „Zusätze“ dem Klischee des demonstrierenden Klientels entspricht. In diesem Falle: Ach, die Linken wieder, Sex Drugs und Rock n Roll, 68er, übervorsichtige Spinner die für ein bisschen Dope alles tun. Und schwupp wird das Thema abgestossen und schnell übersehen, dass Themen wie diese ALLE etwas angehen und unabhängig von der genauen politischen Richtung. Ob links, rechts oder Mitte- der saure Regen geht auf alle nieder.
September 9th, 2009 by Pseidon |
Ironie und Idiotie
Verfolgen mich wie
Nie
Zuvor hab ich gekannt
Was unsere Seelen so sehr bannt
Ironie und Idiotie
Verbrennen meine Phantasie
(Wie)
Nie.
September 1st, 2009 by Pseidon |
Demokratie
Demokratie in mir
Zwischen Ich und mir
Manchmal
Zwischen Dir und mir.
Aber so wie es ist,
mit der Demokratie,
wirkliche Lösungen gibt es nie-
immer nur einen Kompromiß.
12.7.2004
September 1st, 2009 by Pseidon |
In gut einem Monat ist es also soweit- Qualtag.In manchen Fällen bereitet die Qual der Wahl die Schwierigkeiten- dieses Mal ist es jedoch nicht die Fülle der geeigneten Möglichkeiten sondern eher die Absenz jeglicher “Wahl”. Uns erwartet sowieso die Qual, wählen können wir lediglich ihre Gestalt. Verfolgt man die Entwicklungen auch nur einigermaßen gründlich, stellt man fest, dass einerseits die grösseren Parteien in den letzten Jahren immer ähnlicher geworden sind, ja nahezu ineinander zu verschmelzen scheinen und andererseits auch keine der kleineren Parteien ein annehmbares Gesamtpaket anzubieten vermag. Nichts desto Trotz läuft der Wahlkampf auf vollen Touren. Wenn dann noch Ereignisse wie beispielsweise der just bekannt gewordene Abschied von Gorleben ihren Einfluss auf den Lauf der Dinge nehmen bleibt man mit der Frage nach den eigentlichen Inhalten schnell auf der Strecke. Hilfe verspricht das Wahlprogramm. Wäre da nicht das Problem, das längst nicht alles, was vor der Wahl geschrieben oder gesprochen steht, nach der Wahl nie existent war. Betrachtet man all diese Dinge wundert die hohe Rate der Nichtwähler oder Protestwähler selbstverständlich nicht. Die richtige Antwort ist das jedoch nicht. Was aber ist dann die richtige Antwort? Im Kampf um die Stimme preisen sich die Parteien an wie Nahrungsmittel, deren Haltbarkeitsdatum am nächsten Tag abläuft. Hat man sie, gehen sie einem zu Hause im Kühlschrank hoch. Ein ewiger Kreislauf. Die Bürger werden hin und her geschoben und man fragt sich- wird eigentlich sonst noch etwas Nennenswertes bewegt? Auch meine Worte bewegen nicht viel. Weder habe ich eine Wahlempfehlung noch eine umsetzbare Handlungsalternative. Stattdessen möchte ich die Frage lieber zurückleiten: Wie könnte man es eigentlich anstellen, dass die Bürger die Politiker lenken, so, wie es eigentlich sein sollte? Und nicht umgekehrt? Die Kraft des Konsums, der Kunde ist König. Das Problem dabei ist nur, dass uns genau diese Kraft des Konsums genommen wird. Druck durch Wahl kann nur entstehen, wo eine Wahl möglich ist. Das eigentliche Drama besteht also in der Unwahlmöglichkeit. Schärfere Parteiprofile, ganzheitliche Parteiprofile, vielleicht ein Lösungsansatz. Neue Parteien gründen, kleine Parteien fördern. Guckt man sich jedoch die kleineren Parteien an, die zur Bundestagswahl 2009 zugelassen wurden, dann fragt man sich, welche von diesen auch nur annähernd einen Druck auf die größeren Ausüben könnte. Sie kranken zumeist entweder an der Einthemenkrankheit oder an der Utopiesucht. Natürlich ist nichts falsch dran, sich einem Thema vollständig zu verschreiben. Vergleicht man jedoch mit den Volksparteien stellt man fest, dass diese ein sehr breites Themenspektrum haben. Meiner Meinung nach kann keine kleinere Partei, die sich nur an einem Thema orientiert, jemals einen höheren Stand erreichen. Das wäre auch nicht gut. Man kann keine Partei regieren lassen, die nur ein Thema kennt. Zur Frage der Utopie: Natürlich ist es sinnvol, sich hohe Ziele zu setzen. Tief fallen wird man schliesslich immer. Geht es jedoch darum, in der Breite der Bevölkerung Fuss zu fassen, kann Fanatismus, als solcher wirkt eine extreme Überhöhung einer Position nämlich, nur abschrecken. Wie sollen die Leute verstehen, dass beispielsweise bei der Partei “Die Frauen” nicht alle Männer vom Planeten verbannt werden sollen oder bei der Tierschutzpartei keine Gefängnisstrafe auf Fleischkonsum stehen wird? Es klingt sehr ironisch, ich glaube jedoch, dass es den Kern trifft. Die kleineren Parteien brennen und verglühen dabei an sich selbst. Was sehr schade ist. Denn es sind viele gute Ansätze vorhanden. Vielleicht könnte auch ein Zusammenschluss mehrerer kleiner Parteien sinnvoll sein.
Mein Ergebnis des heutigen Tages muss unbefriedigend bleiben. Genau genommen gibt es nicht einmal eines. Könnte ich zu einem klaren abschliessenden Ergebnis kommen, hätte ich diesen Beitrag nicht schreiben müssen. In der Hoffnung auf weitere Erkenntnisse vor der Wahl – oder zumindest danach- verbleibe ich.
August 30th, 2009 by Pseidon |